Apophis Freitag, 13. April 2029: Eine Stunde nach Sonnenuntergang, so gegen 22:45 Uhr, beobachten Amateurastronomen in ganz Westeuropa und Nordafrika, wie ein "Stern" dritter Größe im Sternbild Krebs sich langsam Richtung Westen bewegt. Es ist kein künstlicher Satellit, sondern ein Gesteinsbrocken mit 320 Meter Durchmesser. Sein Name: Apophis!
Mit fast einem Grad pro Minute ungewöhnlich schnell, zieht er vor dem Fixsternhimmel dahin. Sein Abstand von der Erdoberfläche entspricht dabei ziemlich genau jenem der geostationären Satelliten. Obwohl er im Jahr 2029 keine aktuelle Bedrohung für uns darstellt, sorgt Apophis doch unter Astronomen auf der ganzen Welt für Aufregung. Denn nicht dieses knappe Vorüberziehen von Apophis im Jahr 2029 bereitet uns heute Sorgen, sondern die Möglichkeit eines Einschlags nur sieben Jahre später, um den 15. Januar 2036. Forscher und Politiker streiten derzeit über geeignete Gegenmaßnahmen zur Abwehr dieser seltenen, aber realen weltweiten Bedrohung...
 
 
 
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Was denn, kein Weltuntergang? Wie Schade

Lebenslagen [von Bernd Philipp]

Wissen Sie schon, was Sie am 13. April 2029 machen? Es ist ein Freitag.
Freitag, der 13. - da war doch was?

Also, ich bin ja nicht abergläubisch. Das bringt nur Unglück.

Am 13. April 2029, so wurde die Menschheit informiert, werde die Welt untergehen. An diesem Tag nämlich würde der Asteroid "2004 MN 4" mit der Erde kollidieren. Mit seinen 320 Metern Großmesser wäre er um ein Vielfaches schwerer als Ottfried Fischer, der Mann mit dem starren Mienenspiel eines Leguan. Selbst wir Laien können erahnen, was passieren würde, wenn Millionen Ottfrieds bei uns aufprallen würden.
Bei einem vergleichbaren außerirdischen Besuch - die Älteren werden sich noch daran erinnern - haben mal alle Dinosaurier die Löffel abgegeben, was heute gar nicht mehr möglich wäre, weil die Artenschutzbeauftragten der Grünen im Vorfeld in Karlsruhe eine Einstweilige Verfügung erlassen würden.
Was nun passiert mit "2004 MN 4", dem Forscher den Namen "Apophis" gegeben haben? So heißt der Schlangengott aus dem Totenbuch der Ägypter. Er ist zuständig für das Ressort "Böses"...
Um ehrlich zu sein. Es wird nichts passieren. Die olle Klamotte aus dem All wird 30 000 Kilometer an uns vorbeirauschen. Erleichterung! Die Menschen bewahren sich die Chance, den blauen Planeten selbst zu vernichten. Schon vor über 20 Jahren sang der Holländer Robert Long: "Feste, Jungs, macht weiter so, ihr bekommt schon alles kaputt..." Wir arbeiten dran!
Puhhhh, das war knapp. Erst vor wenigen Monden gaben Wissenschaftler die Entwarnung. Mit der nächsten Bedrohung ist nun erst wieder in 1300 Jahren zu rechnen. Da hat man noch ein bißchen Zeit, sich darauf einzustellen.
Die Nachricht vom ausbleibenden Weltuntergang hat vor allem die Finanzexperten aller deutschen Parteien geschockt. Sie hatten gehofft, daß all ihre Fehlberechnungen und ihre Billionen Schulden an jenem 13. April 2029 für alle Zeiten in der Galaxis verschwinden, und dann wäre da auch kein blöder Wähler mehr, der beim Wahlkampf in der Fußgängerzone geifert: "Sagen Sie mal, Sie haben doch immer behauptet, daß wir die Staatsverschuldung zurückfahren können..."
Ach, das wäre so schön geworden. Über die "blühenden Landschaften" würde kein Mensch mehr reden. Das leidige Rententhema wäre einschlagartig vom Tisch gefegt. Noch am Vortag des Untergangs würde der hochgreise Norbert Blüm bei Maybrit Illner tönen: "Liebe Leute, ich habe immer gesagt: Die Renten sind sicher. Eher geht die Welt unter, als daß meine Prognose nicht stimmt..."
Am 13. April 2029 wäre ich 79 Jahre alt. Susi Super 65. Unser Sohn Max 39. Er ist dann für die Arbeitswelt schon zu alt, wird sich keine eigene Wohnung leisten können und notgedrungen in unsere Alten-WG ziehen, die wir 20 Jahre zuvor mit Freunden bezogen haben. Ich glaube, wir werden ein sehr netter Kreis von Sozialhilfeempfängern sein.
Irgendwann besucht uns bestimmt auch ein Stadtrat, der uns Mut macht und sagt: "Wird schon werden . . ."
 
Lieber "2004 MN 4", jetzt "99942 Apophis",
 
das hättest du alles verhindern können. Vielleicht machst du ja einen kleinen Umweg? Was sind schon 30 000 Kilometer?
 
Hab mir überlegt, was wir am letzten Tag vorm Weltuntergang machen würden. Ich bin sicher, Susi Super würde mir noch einmal einen prallen Müllbeutel in die Hand drücken. Ja, und die Pfandflaschen, die müßte ich auch noch wegbringen. Wäre eigentlich wie immer, nicht schlimm. Fensterputzen - nee, da würde ich streiken. Für wen denn?
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann diesen: Die Welt möge bitte an einem Sonntag untergehen! Da könnte ich am Sonnabend noch die Sportschau mit den Bundesligaspielen gucken. Wäre schön, wenn sich das einrichten ließe...